Neue Regelungen zu Praktikumsverträgen in Polen – Gesetzentwurf
Die Arbeiten an dem neuen Gesetzentwurf zu Praktika in Polen gewinnen an Dynamik. Das Hauptziel des Gesetzgebers besteht darin, den Praktikumsmarkt zu ordnen und Personen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, einen realen rechtlichen Schutz zu gewährleisten.
Wen wird das Gesetz betreffen?
Die geplanten Vorschriften in Polen sollen polnische Staatsangehörige sowie bestimmte Kategorien von Ausländern erfassen, die von der Freizügigkeit profitieren, darunter auch EU-Bürger.
Ein Praktikum wurde als Ausübung von Tätigkeiten zum Zweck des Erwerbs von Wissen, praktischen Fähigkeiten und Berufserfahrung auf Grundlage eines Praktikumsvertrags definiert – ohne eine Beschäftigung im Sinne des polnischen Arbeitsgesetzbuches darzustellen.
Der Entwurf enthält jedoch eine lange Liste von Praktika und Ausbildungsformen, auf die die neuen Vorschriften in Polen keine Anwendung finden werden. Dazu gehören unter anderem: Praktika oder Ausbildungen, die für die Ausübung eines reglementierten Berufs oder einer reglementierten Tätigkeit erforderlich sind, Schülerpraktika, berufliche Praktika oder Referendariate.
In der Praxis bedeutet dies, dass die Regelung ausschließlich den sogenannten „offenen Praktikumsmarkt“ in Polen betreffen wird, der von Unternehmen außerhalb des Bildungssystems und außerhalb reglementierter Berufe angeboten wird.
Praktikum ähnlich einem Arbeitsverhältnis
Der Entwurf greift deutlich auf Lösungen zurück, die im polnischen Arbeitsgesetzbuch vorgesehen sind.
Praktikumsvertrag:
- soll schriftlich abgeschlossen werden, für eine Dauer von höchstens 6 Monaten;
- kann von jeder Partei unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 7 oder 14 Tagen – abhängig von der Dauer des Praktikums – beendet werden.
Vergütung – das Ende des unbezahlten Modells
Eine zentrale Änderung der vorgeschlagenen Regelungen in Polen ist die Verpflichtung zur Zahlung einer Vergütung an den Praktikanten in Höhe von mindestens 35% bis höchstens 100% des Durchschnittslohns.
Darüber hinaus soll der Zeitraum des Bezugs dieser Leistung auf die für den Erwerb oder die Aufrechterhaltung von Arbeitnehmerrechten erforderliche Beschäftigungsdauer sowie auf Beitragszeiten bei der Feststellung von Renten- oder Invaliditätsleistungen aus dem Sozialversicherungsfonds in Polen angerechnet werden.
Dauer des Praktikums
Der Entwurf legt die zeitlichen Rahmenbedingungen präzise fest und nähert sie den Standards des polnischen Arbeitsgesetzbuches an:
- Arbeitszeit: Ein Praktikant darf nicht mehr als 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich arbeiten.
- Anspruch auf Erholung: Ein Praktikant hat Anspruch auf einen freien Tag je 30 Tage Praktikum während der ersten 90 Tage sowie auf 2 freie Tage je weitere 30 Kalendertage nach den ersten 90 Tagen des Praktikums.
Organisatorische Einschränkungen
Der Entwurf sieht vor, dass die Anzahl der Praktikanten in Polen in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der fest angestellten Mitarbeiter stehen muss. Dies soll Geschäftsmodelle verhindern, die in hohem Maße auf Praktikanten basieren.
Darüber hinaus darf der Praktikumsanbieter:
- keine vorherige Berufserfahrung in dem Bereich verlangen, in dem das Praktikum durchgeführt werden soll,
- wird verpflichtet sein, ein Praktikumsprogramm zu erstellen und einen Betreuer zu benennen, der für die Überwachung der Durchführung und die Betreuung des Praktikanten verantwortlich ist,
- wird verpflichtet sein, eine Bescheinigung über das absolvierte Praktikum auszustellen.
Sanktionsvorschriften
Bei Verstößen gegen die oben beschriebenen Regelungen in Polen droht dem Praktikumsanbieter eine Geldbuße in Höhe von 1.000 bis 30.000 PLN.
Entspricht die Regelung einem realen Problem?
In der Begründung des Entwurfs wird unter anderem auf eine Studie aus dem Jahr 2023 verwiesen, aus der hervorgeht, dass einige Arbeitgeber unbezahlte Praktika angeboten haben und die Vergütungen teilweise niedrig waren.
Gleichzeitig zeigen Daten vom Arbeitsmarkt für das Jahr 2025, dass:
- Praktikumsangebote etwa 1% der Stellenangebote ausmachten,
- der Großteil der Angebote bezahlte Praktika umfasste,
- die durchschnittlich angebotene Vergütung für ein Praktikum etwa 3.000 PLN brutto pro Monat betrug.
Es stellt sich daher die Frage, ob der Entwurf auf das aktuelle Ausmaß des Phänomens in Polen reagiert oder eher auf historische Fehlentwicklungen des Arbeitsmarktes.
Zusammenfassung
Der Gesetzentwurf zu Praktika in Polen zielt darauf ab, den Markt zu regulieren und unbezahlte Praktika zu eliminieren. Gleichzeitig wird ein Praktikumsmodell eingeführt, das einem Arbeitsverhältnis deutlich ähnelt, bei gleichzeitiger Beibehaltung seiner formalen Eigenständigkeit.
Aus Sicht der Praktikumsanbieter bedeutet dies eine stärkere Formalisierung, höhere Kosten und ein erhöhtes regulatorisches Risiko. In seiner derzeitigen Form könnte der Entwurf insbesondere kleinere Unternehmen sowie Branchen, die intensiv Kurzzeit-Praktikumsprogramme nutzen, am stärksten betreffen.
Inkrafttreten
Der Entwurf befindet sich derzeit in der Konsultationsphase, und das Inkrafttreten des Gesetzes in Polen ist 6 Monate nach seiner Verkündung geplant. Verträge über Absolventenpraktika, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen wurden, werden weiterhin nach den bisherigen Vorschriften durchgeführt, jedoch nicht länger als 6 Monate ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes.
Quelle: Der Artikel wurde in Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner sdzlegal Schindhelm Law Office erstellt.
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